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Erfahrungen mit der Vaskulitis - welchen Einfluss hat die Vaskulitis auf mein Leben genommen: von Frau Dr. med. Rotraut Krönke
Teil 4
Die Vasculitis hat viele Gesichter. Ich kann nichts im Voraus planen, weil ich heute nicht weiß, wie es mir morgen geht. Alles strengt mich so an, was ich früher, vor der Erkrankung, spielend erledigen konnte. Allein schon die kleinen Einkäufe im Supermarkt, Heben und Tragen meines Einkaufskorbes, das Stehen in der Kassenschlange. Museumsbesuche oder mal verreisen, schaffe ich einfach nicht, ich bin total kaputt. Und keiner sieht es mir an!
Dank zweijähriger Cortisoneinnahme sehe ich immer blühend aus. Dabei ist der heutige Ausflug nach Hamburg meine erste Belastungsprobe nach zwei Jahren.
Ich fühle mich doch aber nicht so alt oder gebrechlich, um zu Hause im Sessel zu sitzen und mich vom Pflegedienst versorgen zu lassen.
Wer bin ich jetzt eigentlich? Die bekannte Frage nach der Identität. Für niemanden bin ich noch die bekannte Nervenärztin in Hannover, von der man sich einen Rat oder einen Termin holen will. Meine Patienten brauchen mich sicher weiterhin. Aber die Praxis gibt es plötzlich nicht mehr. Man kann mich kaum noch erreichen. Manchmal bin ich fast zornig über mein Schicksal. Wo bleibt die Entschädigung für 31 Jahre harter Arbeit, die ich ja auch sehr geliebt habe? Kein wohlverdienter Ruhestand, wie es immer heißt. Statt dessen dauerhaft krank.
Während der zahlreichen Krankenhausaufenthalte habe ich bei mir intensiv nach Quellen gesucht und wie ich sie erschließen und zum fröhlichen Sprudeln bringen kann. Einfach mein Schicksal verdammen und laut klagen, das ist es nicht. Es muss doch neue, andere Werte geben, die mir etwas bedeuten und mich erfreuen. So schätze ich mich immer noch täglich ganz glücklich, plötzlich so viel Zeit für mich zu haben. Und ich kann sie auch genießen. Ich brauche auf keine Verpflichtungen mehr Rücksicht zu nehmen. Ich habe ein großes Stück Freiheit gewonnen.